A mountainbike film from the raw landscapes of Andalusia
A Fistful of Tapas begleitet Vitor Büchli und Chris Visscher auf der Suche nach echten Lines.
Ein Film von Andoni Lopez mit Musik von THE RULE
Ein staubiges Mountainbike-Western-Projekt aus Andalusien.
A Fistful of Tapas ist kein klassisches Bike-Edit. Der Film ist als kleines, staubiges Mountainbike-Western-Projekt entstanden: mit einer Vorgeschichte, einem Ort, der sich nicht einfach kontrollieren lässt, und zwei Ridern, die ihre Lines zuerst finden mussten, bevor sie sie fahren konnten.
Gedreht wurde in den rauen Landschaften Andalusiens. Mit Vitor Büchli, Chris Visscher und Filmer Andoni Lopez entstand ein Projekt, das Riding, Shaping, Scouting und filmisches Storytelling zusammenbringt. Ein Film über Lines, die nicht einfach da waren. Sondern gelesen, diskutiert, verworfen, angepasst und irgendwann gefahren wurden.
Interview: David Kurth
Bilder: Andoni Lopez
Andoni, viele Bike-Edits starten direkt mit Action. Was wolltest du mit A Fistful of Tapas anders machen?
Filme wie "Seasons", "Life Cycles", "ROAM" etc. haben mich schon immer beeindruckt und ich vermisse diese Art von Filmen. Sie haben eine Art Geschichte im Hintergrund, ein Konzept, einen roten Faden, einen Vibe. Sie lösen ein bestimmtes Gefühl in mir aus. Ich wollte nicht einfach ein Bike-Edit machen, bei dem man direkt ins Riding geht, auf den Beatdrop wartet und dann kommt einfach Action. Solche Videos gibt es viele. Sie funktionieren, aber oft fehlt mir dabei die Geschichte.
Für mich war wichtig, dass der Film einen roten Faden hat. Einen Anfang, eine Entwicklung und einen Schluss. Nicht nur Riding, sondern auch Atmosphäre. Der Ort sollte spürbar sein. Die Landschaft, das Licht, der Staub, die Wartezeiten, die Unsicherheit vor einer Line. All das gehört für mich genauso zum Film wie der eigentliche Run.
Ich glaube, gerade heute, wo viele Videos nach zwei Sekunden weitergescrollt werden, braucht es wieder Projekte, bei denen man länger dranbleibt. Etwas, das nicht nur schnell konsumiert wird, sondern wie ein kleiner Film funktioniert.
Das Projekt wirkt sehr stark mit dem Ort verbunden. Warum gerade Andalusien?
Andoni: Ich lebe in der Schweiz, habe aber spanische Wurzeln. Meine Verwandten kommen aus dieser Region, und ich war als Kind oft dort in den Ferien. Ich erinnere mich an diese trockenen Hügel, an die Landschaft und auch an alte Bilder von mir in Western-Kleidern. Das ist irgendwie immer in meinem Kopf geblieben.
Als ich später angefangen habe zu filmen, kam diese Idee immer wieder zurück: Irgendwann möchte ich dort ein eigenes Projekt drehen. Nicht einfach irgendwo in Spanien, sondern genau in dieser Art von Landschaft. Sie bringt visuell schon so viel mit, dass man fast nichts erfinden muss. Das Licht, der Staub, die Weite, die rohen Hügel - das hat alles bereits eine filmische Sprache.
„DIESE LANDSCHAFT WAR SEIT MEINER KINDHEIT IN MEINEM KOPF. DORT ENDLICH EIN EIGENES BIKE-PROJEKT ZU FILMEN, FÜHLTE SICH BESONDERS AN.“
Wir haben das Projekt über mehrere Jahre angedacht, gepitcht und weiterentwickelt. Dass es jetzt mit El Tony Mate möglich wurde, war für mich wirklich speziell. Es war nicht einfach ein Auftrag, sondern ein Projekt, das schon lange in meinem Kopf war.
Wenn der Ort für dich so persönlich war: Wie hast du entschieden, wie stark die Landschaft im Film vorkommen soll?
Andoni: Für mich war von Anfang an klar, dass die Landschaft nicht nur Kulisse sein darf. Sie musste Teil des Films werden. Dieser Ort hat so viel Charakter, dass es schade gewesen wäre, ihn nur als Hintergrund für Riding-Shots zu benutzen.
Dieser Ort hat so viel Charakter, dass es schade gewesen wäre, ihn nur als Hintergrund für Riding-Shots zu benutzen.Was viele nicht wissen, in dieser Region wurden Teile von “Lawrence Of Arabia”, “A Fistful Of Dollars” “Indiana Jones” und viele weitere Klassiker gedreht, manchmal vergessen wir, was Europa alles zu bieten hat. Darum muss man oft gar nicht so oft reisen, um Perlen zu finden.
Die Landschaft gibt den Rhythmus vor. Sie bestimmt, wo man fahren kann, wie man filmt und welche Stimmung entsteht. Man kann dort nicht einfach ein Feature hinstellen und sagen: Jetzt funktioniert es. Der Ort entscheidet mit. Genau das hat mich interessiert.
Ich wollte, dass man im Film spürt, wie weitläufig, trocken und roh alles ist. Nicht nur in den Action-Shots, sondern auch in den Momenten dazwischen. Diese Ruhe vor einem Run, das Warten auf Licht, der Staub nach einer Landung - das war für mich genauso wichtig.
Vitor, wenn man diese Landschaft sieht, wirkt sie fast grenzenlos. Wie war es für dich, dort überhaupt eine Line zu finden?
Vitor: Für mich war es extrem schwierig, mich zu fokussieren. Du bist dort und siehst einfach überall Möglichkeiten. Jeder Hang, jede Kante, jede kleine Form im Gelände kann plötzlich eine Line sein. Es fühlt sich an wie ein riesiger Playground.
Aber genau das macht es auch schwierig. Du kannst nicht alles bauen, nicht alles fahren und nicht jeder Idee nachgehen. Wir hatten nur eine bestimmte Zeit vor Ort, also musst du entscheiden: Wo lohnt sich der Aufwand wirklich? Was ist sicher genug? Was sieht nur von weitem gut aus? Und wo verlieren wir vielleicht zu viel Energie?
„Es war wie ein riesiger Playground. Aber genau das machte es schwer: Du kannst nicht alles bauen, nicht alles fahren, nicht alles versuchen.“
Ich glaube, das war fast schwieriger als das Fahren selbst. Nicht die eine Line zu fahren, sondern aus hundert möglichen Lines die richtige auszuwählen.
Wenn es so viele Möglichkeiten gab: Wie habt ihr entschieden, welche Lines wirklich Sinn machen?
Vitor: Chris hatte da sicher mehr Erfahrung als ich. Er hat dieses Builder-Auge. Ich habe oft einfach überall Möglichkeiten gesehen. Chris konnte viel besser einschätzen, ob sich etwas wirklich lohnt oder ob es am Ende zu viel Aufwand wird.
Er konnte sagen: Das könnte gehen, aber dafür müssten wir hier graben, dort stabilisieren, dort die Anfahrt ändern. Oder er hat direkt gemerkt, dass eine Line zwar gut aussieht, aber zu riskant oder zu aufwendig wäre. Das hat uns sehr geholfen, weil man sonst sehr schnell viel Zeit in die falschen Dinge investiert.
Für mich war das wichtig, weil ich eher das Potenzial sehe. Chris sieht zusätzlich, was es braucht, damit dieses Potenzial wirklich fahrbar wird.
Chris: Wenn du lange in Bikeparks geshapt hast, schaust du anders auf ein Gelände. Du siehst nicht nur: Das könnte cool aussehen. Du fragst dich auch: Wo geht die Geschwindigkeit hin? Wie ist die Landung? Wie viel muss man bauen? Ist es safe? Und fühlt sich die Line am Ende natürlich an?
Bei so einem Gelände darfst du nicht zu stark dagegen arbeiten. Wenn du eine Line erzwingen musst, wird sie meistens nicht gut. Die besten Lines entstehen dort, wo das Gelände dir schon etwas vorgibt und du es nur noch lesen und etwas formen musst.
"Eine gute Line entsteht nicht nur durchs Bauen. Sie entsteht dadurch, dass man versteht, was das Gelände überhaupt zulässt.“
Sobald ihr euch für eine Line entschieden hattet: Wie hat sich der Boden beim Fahren angefühlt?
Vitor: Der Boden war wirklich speziell. Es war nicht einfach ein loser Sandhang, in dem man überall reinbremsen kann. Die erste Schicht war eher hart, fast wie Beton. Oben drauf war aber eine lose Schicht, und genau das war am Anfang richtig sketchy.
Bei den ersten Runs hattest du wenig Grip. Du kamst mit Speed in den Hang und konntest fast nicht bremsen. Du musstest einfach hoffen, dass es hält und dass du die Line irgendwie sauber triffst. Das war am Anfang schon sehr ungewohnt.
Aber sobald diese harte Schicht aufgebrochen war, kam der Grip. Nach ein paar Runs wurde die Line plötzlich viel besser. Man konnte höher springen, sauberer fahren und dem Boden mehr vertrauen. Die Line musste sich eigentlich zuerst öffnen.
Hat dieses Terrain auch dazu geführt, dass ihr Ideen wieder verwerfen musstet?
Vitor: Ja, definitiv. Einen Sprung haben wir gefunden. Chris hat ihn beim Scouten entdeckt. Er hat irgendwo an einem Hang eine Spur gesehen, ist nachschauen gegangen und plötzlich war da dieser Sprung. Aber der Rest war nicht einfach da. Vieles mussten wir selbst bauen, freischaufeln oder anpassen.
Es gab auch ein Feature, in das wir eineinhalb Tage investiert haben, das wir am Ende nicht gefahren sind. Die Idee wäre richtig cool gewesen: eine schnelle Anfahrt, eine Wand, eine Art Quarter-to-Bank, viel Höhe, etwas ganz anderes fürs Video.
Aber in der Realität kam nach ein paar Zentimetern Sand direkt Stein. Wir hätten extrem lange pickeln müssen. Dazu kam der Zeitdruck. Irgendwann mussten wir ehrlich entscheiden, ob es das wirklich wert ist. Am Ende war es besser, die Energie in andere Lines zu stecken.
Das war schade, weil es visuell sehr stark gewesen wäre. Aber genau so ist es in natürlichem Gelände. Nicht jede Idee, die im Kopf funktioniert, funktioniert auch im Boden.







Ihr hattet also Gelände, Boden und Zeitdruck. Kam noch etwas dazu, das den Plan verändert hat?
Wir hatten mehrere Tage Regen, ausgerechnet dort. In einer Region, in der es eigentlich nicht oft regnet. Im ersten Moment war das natürlich schwierig, weil du sofort das Gefühl hast, Zeit zu verlieren. Chris war nur eine begrenzte Zeit da, also entsteht schnell Druck.
Rückblickend war es aber nicht nur schlecht. Der Regen hat uns gezwungen, Pausen zu machen. Man denkt vor Ort vielleicht: Mist, jetzt verlieren wir einen Tag. Aber im Nachhinein hat es geholfen, gewisse Dinge neu zu überlegen.
Wir haben dadurch Lines gestrichen, andere Ideen angepasst und am Ende vielleicht bessere Entscheidungen getroffen. Auch für den Boden war die Feuchtigkeit teilweise gut. Es war nicht mehr nur staubtrocken, und fürs Shapen hat es an manchen Stellen sogar geholfen.
Wenn man den Film sieht, wirkt vieles sehr reduziert und roh. Wie viel Logistik steckt hinter solchen Bildern?
Es war alles sehr viel aufwendiger, als man es im fertigen Film vielleicht sieht. Fast jeder Spot war mit Offroad-Fahrten verbunden. Mit einem normalen Van war das teilweise schon grenzwertig. Überall Steine, weicher Sand, staubige Wege.
Dazu kam das ganze Wasser. Man braucht nicht nur Wasser zum Trinken, sondern auch fürs Shapen. Wir haben teilweise unglaublich viel Wasser gebraucht, um die Lines und Sprünge überhaupt formen zu können. Teilweise bis zu 100 Liter am Tag.
Du fährst also nicht einfach zum Spot, filmst und gehst wieder. Du musst Wasser holen, Material transportieren, schauen, wo du campen kannst, wie du zum nächsten Spot kommst und wie viel Energie du noch hast. Das war schon ein kleines Abenteuer für sich.
Bevor ihr überhaupt drehen konntet: Wie habt ihr die Spots gefunden?
Andoni:
Wir haben extrem viel Zeit mit Scouting verbracht. Viel davon schon vor der Reise am Laptop. Google Earth, Google Maps, Zufahrten, Hänge, Formen, mögliche Spots. Man sitzt da und sucht nach Linien, Schatten, Strukturen und Wegen, die irgendwie funktionieren könnten.
Bei bekannten Bike-Spots ist vieles einfacher. Du weisst ungefähr, wo du hinmusst, wo es Jumps gibt, wo andere schon gefahren sind, wo man campen kann. Bei uns war vieles komplett offen. Wir mussten sehr viel selbst herausfinden.
Manche Spots hätten wir ohne Google Maps nie gefunden. Andere sahen am Laptop gut aus und haben vor Ort gar nicht funktioniert. Und dann gab es wieder Orte, die zufällig entstanden sind. Genau das machte das Projekt spannend. Es war nicht einfach ein Plan, den man abarbeitet. Es war ein ständiges Suchen, Prüfen und Anpassen.
Im Intro taucht immer wieder ein Cowgirl auf. Wer war das eigentlich?
Chris: Das war meine Freundin. Eigentlich war sie von Anfang an Teil des Projekts, obwohl sie nie wirklich im Mittelpunkt stehen wollte.
Wenn man den Film anschaut, sieht man nur einen kleinen Teil davon. In Wirklichkeit hat sie unglaublich viel geholfen. Sie hat beim Shapen mit angepackt, Material geschleppt, gekocht, Wasser organisiert und uns den Rücken freigehalten, damit wir uns auf das Projekt konzentrieren konnten.
Gerade bei solchen Produktionen merkt man schnell, wie viele Dinge neben dem eigentlichen Filmen passieren. Du brauchst ständig jemanden, der mithilft, organisiert oder einfach da ist, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Ohne sie wäre vieles deutlich schwieriger geworden.
Sogar im Film selbst hat sie mitgewirkt. Einen der Shots im Intro hat sie gefilmt, während Andoni gleichzeitig die Drohne geflogen hat. Wir hatten praktisch nur einen Versuch und brauchten jemanden, der spontan die Kamera übernimmt.
Die Rolle als Cowgirl hat sie natürlich sofort gefeiert. Als wir ihr die Idee erzählt haben, war sie direkt dabei. Das hat perfekt zur Stimmung des Films gepasst.
Und sie ist nicht nur mitgekommen, sondern auch selbst gefahren. Einige der Lines im Film hat sie ausprobiert, obwohl sie erst seit wenigen Jahren Mountainbike fährt. Das zeigt eigentlich ziemlich gut, wie sie das ganze Projekt angegangen ist: immer motiviert, immer bereit mitzuhelfen und immer Teil des Abenteuers.
Wenn ihr heute auf das Projekt zurückschaut: Was macht A Fistful of Tapas für euch aus?
Andoni: Für mich bleibt vor allem dieses Gefühl, dass das Projekt endlich Realität wurde. Die Idee war schon lange da. Wir haben sie über Jahre immer wieder aufgegriffen, gepitcht und weiterentwickelt.
Dann wirklich dort zu stehen, mit Vitor, Chris, dem ganzen Material, den Bikes, dem Staub und dieser Landschaft, war schon besonders. Es war ein Ort, den ich aus meiner Kindheit kannte. Plötzlich wurde daraus ein Filmprojekt.
Ich glaube, genau deshalb fühlt sich der Film für mich anders an. Er ist nicht nur ein Bike-Video. Er trägt auch etwas Persönliches in sich.
Vitor: Für mich bleibt hängen, wie viel man dort entscheiden musste. Es gab so viele Möglichkeiten, aber nichts war wirklich vorgegeben. Jede Line musste man suchen, einschätzen und manchmal auch wieder loslassen.
Das war nicht immer einfach, aber genau das machte es besonders. Es fühlte sich nicht an wie ein Spot, der für uns gemacht wurde. Wir mussten mit dem arbeiten, was da war.
Chris: Für mich war spannend, dass das Gelände nicht perfekt war. Es war roh, schwierig und manchmal auch frustrierend. Aber gerade deshalb fühlten sich die Lines am Ende gut an. Wenn etwas dort funktioniert hat, dann weil man es sich wirklich erarbeitet hat.




