Jérôme CaroliCOMBINE

Jérôme Caroli über seinen Weg zwischen Biken, Freeriden und Mountaineering.

Ein Film von Jérôme Caroli und Nicolas Falquet

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Alpines Skifahren Freeriden trifft auf Biken: Jérôme Carolis mutiges Abenteuer

Jérôme Caroli spricht über seinen neuen Film Combine – ein Projekt, das die Grenzen zwischen alpinem Skifahren und Mountainbiken verschiebt und verschwimmen lässt.

Aufgewachsen im Val de Bagnes und heute in Verbier zu Hause, machte Jérôme Caroli seine Umgebung schon früh zu seinem persönlichen Spielplatz. Bereits in jungen Jahren war er sowohl auf Skiern als auch auf dem Bike unterwegs – es war nur eine Frage der Zeit, bis er Teil des internationalen Wettkampfzirkus wurde, einschliesslich des UCI World Cups. Vierzehn Jahre lang widmete er sich mit voller Hingabe dem Downhill-Mountainbiken und nutzte das Skifahren in der Off-Season als Möglichkeit, abzuschalten und neue Energie zu tanken. Doch irgendetwas fehlte …

Neugierig, kreativ und äusserst ambitioniert traf Jérôme im Herbst 2022 eine mutige Entscheidung: Er zog sich vom Wettkampfsport zurück, um sich voll und ganz auf seinen neuen Film 'Combine' zu konzentrieren.


Interview: Anna Unternährer

P: Jay Crunch

Jérôme, du hast kürzlich einen grossen beruflichen Wandel vollzogen – vom Wettkampf hin zum Freeride. Wie kam es dazu?
Nach vierzehn Jahren im Wettkampf brauchte ich eine Veränderung. Die Dinge liefen nicht immer so, wie ich es mir erhofft hatte. Ich habe einige Ziele erreicht, andere nicht – und die Frustration wuchs. Ich brauchte neue Ziele, etwas Abstand von der World-Cup-Szene, und ich verspürte das Bedürfnis, mich freier auszudrücken – nicht nur auf dem Bike, sondern auch auf Skiern. Ende 2022 habe ich den Schritt gewagt und beschlossen, meinen eigenen Weg zu gehen. Trotzdem schliesse ich nicht aus, eines Tages wieder in den Wettkampf zurückzukehren.

Photo: Kifcat

Photo: Sven Martin

Photo: Dom Daher

Video: Louis Para


"Nach vierzehn Jahren im Wettkampf brauchte ich eine Veränderung. Die Dinge liefen nicht immer so, wie ich es mir erhofft hatte."

Video: Filmsmith

Dieser Wandel markiert auch den Beginn deines Projekts Combine, bei dem du im alpinen Stil Bike fährst und steile Hänge mit grossen Turns und hohem Tempo skifährst. Wie ist dieses Konzept entstanden?
Ich bin im Val de Bagnes aufgewachsen, umgeben von Gipfeln über 4’000 Metern, die mich schon immer inspiriert haben. Ich wollte ein Projekt starten, das es mir ermöglicht, mich zuhause auszudrücken – sowohl auf Skiern als auch auf dem Bike. Eines Tages fragte ich mich, ob eine Linie im Hochgebirge, die auf Skiern funktioniert, auch mit dem Bike fahrbar sein könnte – und umgekehrt. Die Idee war, gemeinsam mit Freunden einen schönen Film zu realisieren, der beide Sportarten zusammenbringt und ihre Gemeinsamkeiten hervorhebt. Für mich ergänzen sich diese beiden Disziplinen perfekt.

Photo: Soren Rickards

„Eines Tages fragte ich mich, ob eine Line in den hohen Bergen, die mit Skiern befahrbar ist, auch mit dem Bike befahrbar sein könnte.“

Photo: Soren Rickards

Doch nicht alles lief wie geplant … Du hast dich im Januar 2023 verletzt. Wie hat das das Projekt beeinflusst?
Ja, ich habe mir direkt zu Beginn des Projekts eine offene doppelte Beinfraktur zugezogen. Das war ein harter Schlag, der viele Zweifel und Fragen ausgelöst hat. Wir mussten alles für ein Jahr pausieren, um die Reha zu absolvieren. Zum Glück hatte ich Partner wie El Tony, die an mich geglaubt haben und verstanden, dass so etwas dazugehört. Dank ihrer Unterstützung konnte ich diesen Weg weitergehen.

"Nach einer Verletzung zurückzukommen und mich von Anfang an so ausdrücken zu können, wie ich es mir vorgestellt hatte, machte das Ganze umso erfüllender."

Deine Spielplätze reichen von 3’600 Metern (Bike) bis über 4’000 Meter (Ski). Was sind die grössten Herausforderungen beim Filmen in dieser Höhe?
Der Skiteil ist besonders anspruchsvoll, da er sehr spezifische Bedingungen erfordert. Wir konzentrieren uns auf grosse Eishänge, die während des grössten Teils des Jahres nicht skiable sind. Es gibt nur ein kurzes Zeitfenster – meist zwischen April und Juli – in dem die Wetterbedingungen es zulassen, dass der Schnee auf dem Eis haftet und wir diese Hänge befahren können. Dabei geht es nicht nur darum, sicher herunterzukommen – wir wollen grosse Turns ziehen, auf steilen Hängen, mit hohem Tempo. Dafür braucht es eine ganz bestimmte Schneequalität, um uns so ausdrücken zu können, wie wir es wollen, und gleichzeitig die Risiken zu minimieren. Alles muss perfekt zusammenpassen. Man braucht unglaublich viel Geduld für fünfzehn Sekunden Filmmaterial … aber wenn es funktioniert, ist es einfach unglaublich.

Das klingt extrem. Hattest du vor diesem Projekt schon einmal so skigefahren?
Nein, noch nie. Da das Biken immer meine Priorität war, konnte ich die Winter nie so nutzen, wie ich es gerne getan hätte, weil ich trainieren und Wettkämpfe bestreiten musste. Erst im April 2024 habe ich wirklich damit begonnen. Skifahren auf Eishängen ist fast mehr Bergsteigen als Freeride. Aber genau diese Kombination fasziniert mich. Ich habe noch so viel zu lernen, und das ist unglaublich motivierend. Ich bin sehr dankbar, Jérémie an meiner Seite zu haben – er ist ein aussergewöhnlicher Skifahrer und Bergführer. Dank ihm habe ich mich enorm weiterentwickelt.

Und wie sieht es beim Bike-Part aus?
Dieser ist wettertechnisch einfacher, da kein Schnee im Spiel ist. Aber das alpine Gelände bringt andere Herausforderungen mit sich. Wir suchen nach Zonen mit feinem Gestein, damit es ästhetisch wirkt und Spass macht zu fahren. Es braucht viel Erkundungsarbeit, um die richtigen Spots zu finden.

"Skifahren auf Eishängen ist fast mehr Bergsteigen als Freeride. Aber genau diese Kombination fasziniert mich."

Ihr müsst ein sehr fittes Filmteam haben (lacht). Wie geht ihr mit dem Thema Sicherheit um?
Ja, ich habe ein absolutes Dream-Team. Ohne sie wäre das alles nicht möglich. Sicherheit hat oberste Priorität. Wir arbeiten bei den Drehs immer mit Bergführern zusammen. Vor Ort, nach einem gemeinsamen Briefing über die Bedingungen, entscheiden wir zusammen im Team, ob wir es versuchen oder nicht.

Photo: Jancsi Hadik

Photo: Soren Rickards

Woran erkennst du, wann es Zeit ist loszugehen – oder wann man besser zurückzieht?
Ich sehe mich nicht als leichtsinnig. Ich stelle mir viele Fragen, bevor ich grünes Licht gebe. Wenn die Bedingungen oder mein Bauchgefühl nicht stimmen, dann gehe ich nicht – und warte auf das nächste Zeitfenster. Natürlich ist es frustrierend, wenn das ganze Team bereit ist und Sponsoren involviert sind, aber ich möchte das noch lange machen. Deshalb ziehe ich Geduld und Achtsamkeit vor. Man muss wissen, wann man Nein sagt, und sich den Bedingungen anpassen, um Risiken so gut wie möglich zu minimieren.

Combine ist nun veröffentlicht. Welche Botschaft möchtest du mit diesem Film vermitteln?
Inspiration! Als Kind hat mich der Film La Liste von Jérémie Heitz und Sam Anthamatten extrem zum Träumen gebracht. Diese Art des Skifahrens – steil, schnell, mit grossen Turns – hat mich schon immer fasziniert. Damals hätte ich nie gedacht, dass so etwas für mich möglich wäre. Heute einen Teil dieses Projekts gemeinsam mit Jérémie selbst und mit Nico Falquet als Produzenten umzusetzen, ist ein wahr gewordener Traum. Wenn Combine bei anderen ähnliche Emotionen auslöst, dann haben wir unser Ziel erreicht.

Zum Schluss: Was möchtest du Menschen mitgeben, die ihren eigenen Weg gehen wollen?
Vertraut eurer Intuition und habt Geduld. Einen anderen Weg einzuschlagen ist riskant – auch ich wusste nicht, ob meine Partner mich weiterhin unterstützen würden oder ob ich weiterhin von meiner Leidenschaft leben könnte. Aber wenn es sich richtig anfühlt, dann sollte man es wagen. Selbst wenn nicht alles nach Plan läuft, wird es zumindest keine Reue geben – denn man ist seinem Traum bis zum Ende gefolgt.

"Vertraut eurer Intuition und habt Geduld!"

Photo: Dom Daher

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